NGOs müssen transparent sein.

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    Die Verstrickungen und Interessenkollisionen des Naturschutzverbandes BUND haben eine lange Tradition

    Am 5.8.2015 veröffentlichte die ARD in der Sendung Plusminus erstmals einen Beitrag, der sich grundlegend mit den Verflechtungen des Naturschutzverbandes BUND mit der Windenergiebranche auseinandersetzt. Nicht ohne Grund lag ein Schwerpunkt der von Plusminus benannten Fallbeispiele in Rheinland-Pfalz. Ungeachtet der technisch, physikalisch und ökonomisch völlig ungelösten Grundsatzfragen der „Energiewende“ will das Land in absehbarer Zukunft 100 Prozent seiner Energie bilanziell mit Erneuerbaren decken. Der ARD-Beitrag führt zahlreiche Beispiele auf, nach denen der Umweltschutzverband BUND als „unabhängige Fachorganisation“ eng mit wirtschaftlichen Interessen der Windkraftindustrie verfilzt ist.
    Bezüglich der Situation in Rheinland-Pfalz lohnt es, an die Anfänge der Windkraftbewegung in der dortigen Eifelregion um Kaisersesch erinnert. Als Naturschützerin im BUND war und ist Agnes Hennen besonders aktiv, wenn es um verletzte und durch den Menschen geschädigte Wildtiere geht. Über Jahre war sie schließlich Landesvorsitzende des BUND in Rheinland-Pfalz. Auch in bei Bündnis90/Grünen verfolgte sie ihre Ziele auf der politischen Ebene. Als Aufsichtsratsvorsitzende der Windenergiefirma Provento unterstand ihr die Obhut über die Geschäfte des Unternehmens, das mit seinen Dienstleistungen zur „Energiewende“  beitragen wollte. Doch die Aktivitäten von Provento verliefen eher dubios und legten die Frage nahe, wo denn die Aufsichtsfunktion vom Agnes Hennen bei der juristischen Entgleisung des Unternehmens und seiner Geschäftsführer war. Nach jahrelangem Tauziehen hat das Landgericht Koblenz schließlich „einen früheren Verantwortlichen“ des Unternehmens aus dem Kreis Mayen-Koblenz wegen Kapitalanlagebetrugs und Steuerhinterziehung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Unter anderem sollen Anleger dadurch geprellt worden sein, dass die Anlagen viel kleinere Rotoren als geplant erhielten. Die Differenz aus behaupteten Einnahmen und geringeren Investitionskosten dürften in private Taschen gelangt sein. Ein Langzeitschaden war für die Anleger unvermeidlich, bedingt durch die verminderte Effizienz der Anlagen. Die Rhein-Zeitung berichtete nach Prozessende von zwei Luxuskarossen (es waren wohl Ferraris der Geschäftsführer), die auf dem Firmengelände sichergestellt wurden. Nach dem Urteil wurde es auch um Frau Hennen eine lange Zeit auffällig still.

    BUND: Verbindung von Naturschutz und Geschäftsförderung

    Die Geschichte von Filz und dubiosen Praktiken ist ein dichtes Netz, in das sich der BUND immer mehr verstrickt hat. Auffällig ist, dass der BUND wie kein anderer Naturschutzbund eine Allianz von Naturschutz und Geschäftsförderung erneuerbarer Energien geschlossen hat. Das ist der Urgrund des Sumpfes, aus dem die Unregelmäßigkeiten des Verbandes und seiner "Geschäftspartner" erwachsen. Würden medizinische Gutachter finanziell an der Therapie ihrer begutachteten Patienten profitieren, so wäre eine Aufblähung der damit verbundenen Behandlungskosten die logische Folge. Genau dasselbe liegt jedoch beim BUND vor, der als Gutachter die Relevanz von Naturschutzbelangen zu beurteilen hat, gleichzeitig aber in Sachen "Energiewende" von den späteren Maßnahmen partiell profitiert. Diese potentiell korruptive Struktur hat nicht nur den BUND gespalten, sie hat die ganze, in Generationen aufgebaute Naturschutzbewegung in Misskredit gebracht. Die landesgeförderten "Energieagenturen" agieren übrigens nach demselben Muster und verfilzen Politik, Verwaltung und Interessen von Firmen und Privatprofiteuren.

    Lange Tradition journalistischer "Energiewende"-Verklärung

    Einige Kommentatoren kritisieren den Plusminus-Beitrag als "tendenziös". In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Seit Beginn der "Energiewende" begleitet die Mehrzahl der Journalisten und Redaktionen das Geschehen nicht nur wohlwollend-positiv. Sie ließen sich immer mehr zu kritiklosen Lobeshymnen einer schon im Ansatz fragwürdigen und unwissenschaftlich begonnenen "Energiewende" hinreißen. Dies war bis zum August 2013 noch mehrheitlich der Fall. Am 8.8.2013 führte dies - vermutlich erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik - zu einer "Pressekonferenz der Bürger" in den Räumen des Bundespressekonferenz in Berlin, die ich damals moderieren durfte.
    Schon hier wurden die elementaren Fehler der Energiewende, speziell im Umgang mit der Windkraft - deutlich. Erst Wochen später bekamen die Veranstalter Rückmeldungen, dass genau diese Konferenz in den Redaktionen einiges Haareraufen darüber verursacht hatte, dass man sich wohl in Sachen "Energiewende"-Berichterstattung bis dahin einigermaßen kritiklos vergaloppiert hatte. Bemerkenswerter Weise war es ausgerechnet die bis daher eher linksgrün-gefühlte TAZ, welche recht frühzeitig die offenkundigen Unstimmigkeiten der „Energiewende“-Geschäftemacher beim Umgang mit der Natur verdienstvoll entlarvte. Dann folgte zunächst in der englischsprachigen Fachpresse eine Welle kritischer Untersuchungen und Fachberichterstattungen. Erst dieses Raunen im Ausland ließ auch in Deutschland die Berichterstattung kippen und nahm endlich den realen deutschen "Energiewende"-Wahnsinn in den Fokus. In dieser Tradition ist der Plusminus-Beitrag ein wichtiger Markstein, und - ein Nachweis wahrer Emanzipation und Freiheit der Presse!

    Die "Energiewende" hat eine bundesweite Bürgerbewegung geschaffen

    Besagte "Bürger-Pressekonferenz" von 2013 war übrigens binnen 14 Tagen von fast 150.000 Bürgern aus ganz Deutschland unterstützt und finanziert worden. Seit der Jugendbewegung der 20er Jahre hatten die Unsäglichkeit der "Energiewende"-Politik und die Mittäterschaft mancher vermeintlicher Naturschützer es fertig gebracht, wieder eine neue, alle Generationen und Schichten umfassende, bundesweite Bürgerbewegung entstehen zu lassen. Ein bürgerlicher Denkzettel in Sachen Basisdemokratie an die selbstgefällige Politik! Eine gute Politik hätte es verstanden, die Bürger vorher und konstruktiv ins Boot zu nehmen, anstatt ihnen und der Natur den Lebensraum zu zerstören.

    Plusminus - ein Beitrag zur Freiheit der Presse

    Seitens der ARD, konkret des SWR hat man es bis ins Jahr 2014 noch ohne Schamesröte fertig gebracht, die Vertreter protestierender Bürgergruppen in Frontalformaten vor sich herzutreiben. In einer Magazinsendung ließ der SWR dann kritische Bürgervertreter gegen die Windkraftpraxis argumentieren, und als Befürworter setzte der Sender keinen Experten, sondern gleich einen hauseigenen Redakteur ein - ein journalistischer Fauxpas ersten Ranges, und ein klarer Verstoß gegen den Pressekodex!

    So ist denn die gut recherchierte, ruhige und filmisch sauber umgesetzte ARD-Arbeit von Plusminus allenfalls ein guter Anfang seitens der ARD, die unselige Vergangenheit öffentlich-rechtlicher "Energiewende"-Plattheiten einmal bei klarem Tageslicht zu betrachten.

    https://www.youtube.com/watch?v=hpJZ7pFxb7Y

    • Jörg Rehmann